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150. Geburtstag Ludwig Neumayer

- der Filmpionier Bayerns

Ludwig Neumayer

Am 17. Februar 1863 wurde Ludwig Neumayer in die angesehene Bierbrauersfamilie Neumayer hineingeboren. Nach seinem Studium des Brauereiwesens in Weihenstephan trat er 1888 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Otto in die Brauerei seines Vaters ein, die nun als „Joseph Neumayer und Söhne" firmierte. Vielseitig begabt und technisch interessiert, zudem finanziell abgesichert - Ludwig hatte zudem die Ziegeleibesitzerstochter Karolina Jungmeier geheiratet -, hatte er aber noch eine besondere Liebhaberei: die Fotografie. Wohl unterstützt und angeregt von seinem Onkel Franz, der in München ein bekanntes Fotoatelier besaß, richtete sich Ludwig ein eigenes Fotostudio ein. Erste Aufnahmen, auf denen er sich als „Amateur de là Photografie" bezeichnet, datieren aus dem Jahr 1881. Geschäft und Hobby konnte Neumayr in der „Neumayr'schen Konzerthalle" verbinden. Dieser rund 300 Personen umfassende Saal, der 1885 bei der Modernisierung der Neumayerschen Gaststätte „Bayerischer Hof" (Theresienplatz 27) entstanden war, entwickelte sich zu „einer der wichtigsten Kulturstätten Straubings" mit Konzerten, Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen. Ein pneumatisches Orchestrion, zu dieser Zeit das größte in Europa, bot als musikalische Attraktion über 250 verschiedene Melodien. Ab 1890 hielt Ludwig Neumayr hier auch „Projektionsvorstellungen" ab, eine Art Dia-Vorträge über verschiedene Themen, unter anderem über seine Reisen oder über die Historische Sammlung Straubings. Das „Straubinger Tagblatt" urteilte über dieses Novum der Bildpräsentation: „Die Plastik der Formen ist auf denselben eine so vorzügliche, dass man greifbare Dinge vor sich zu sehen glaubt."
Bei einem Aufenthalt in Berlin lernte Neumayer vermutlich die „laufenden Bilder" kennen. Fasziniert von diesem neuen Medium Film - eine Vorführung der Brüder Lumière 1895 in Paris gilt als seine Geburtsstunde - ließ er sich 1899 für die Konzerthalle aus Amerika einen „Kinematographen", ein Filmvorführgerät, schicken. Damit war das „erste ortsfeste Kino Bayerns" - so Ulrich Lehner - eröffnet, das zweimal wöchentlich ein einstündiges Programm bot und großen Anklang fand. In den folgenden Jahren hielt Neumayer seine „anziehenden, belehrenden und unterhaltenden" Filmvorführungen auch in den anderen Neumayerschen Gaststätten ab - der „Jägerhalle" an der Regensburger Straße, dem „Kronensaal" am Ludwigsplatz, dem „Gambrinus" in der Steinergasse (das er 1910 zu einem modernen „Lichtbildtheater" umbaute). Für Neumayer, einen „christlich geprägten Urbayern mit Witz und Humor", war der Film primär ein Mittel zur Erziehung und Bildung; die Abwendung von Natur- und Kulturaufnahmen, die Hinwendung zu gespielten „Kolportage-Schundromanen" in der nationalen Filmproduktion veranlasste ihn 1907 eine eigene Filmfabrik zu gründen, angeblich mit dem Ausspruch: „Was man in Paris oder Berlin kann, das vermögen wir in Straubing ebenso gut". Auch hier war Neumayer ein Vorreiter: Die „BAVARIA-FILM-STRAUBING", untergebracht im „Bayerischen Hof", nannte sich stolz „Erste Bayer. Filmfabrik" und trug die weiß-blauen Rauten, den Straubinger Pflug und den Stadtturm im Firmenlogo.

Logo der "Bavaria-Film-Straubing"

Neumayer drehte anfangs die Filme selbst, stellte dann auch noch den Kameramann Anton Plankl ein. Im Mittelpunkt standen Dokumentarfilme über Land und Leute der näheren und weiteren Umgebung. So hielt man zum Beispiel die „Aufstellung der Bismarck-Büste in der Walhalla", den „Landshuter Hochzeitszug", die „Hauptstadt München", die „Huldigungsfeierlichkeiten zum 90. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold" ebenso fest wie die „Ufer des Traunsees", das „malerische Berchtesgaden", das „Leben und Treiben in den böhmischen Bädern Franzensbad, Karlsbad, Marienbad", die „Arlbergbahn" oder „Abbazzia - die Perle der Adria". Aber auch Straubinger Ereignisse wurden gefilmt, unter anderem die „Kirchenparade des Kriegerbundes" (1909), der „Besuch Seiner Königlichen Hoheit Prinz Alfons von Bayern" (1910), der „Schuhplattlertanz des Liederkranzes" (1910) oder das „Eisfest des Winterportvereins" (1911) und der „Maskenzug" (1911). Die Schwarz-Weiß-Filme, die man auf Wunsch auch nachkolorierte, waren meist etwa 100 bis 120 Meter lang und wurden in ganz Deutschland ausgeliefert. Einen Ausflug in die Spielfilmszene machte Neumayr 1909/1910 mit „Die Rache eines betrügerischen Schenkkellners", „Der Komet" und „Beim Dorfbader".
Obwohl sich Neumayer mit seinen Dokumentarfilmen einen guten Ruf in ganz Deutschland erworben hatte, war das Filmgeschäft - noch dazu bei immer größer werdender Konkurrenz - nicht rentabel. Zudem hatte sich Neumayer auch um die Brauerei zu kümmern. Ende 1911 verkaufte Neumayer seine Ausrüstung an eine Wiener Filmgesellschaft, kurz darauf gab er auch die Führung seiner Kinos ab. Neumayer starb am 30. März 1920 in München. Bereits zu Lebzeiten, am 17. Dezember 1912, konnte man im „Straubinger Tagblatt" eine Würdigung Neumayers lesen als einen der „umsichtigen und genialen Freunde und Förderer des Fortschritts", der „die vollste Bedeutung der Kinematographie rechtzeitig und richtig erkannt" und dadurch zur „Erhebung und Beförderung des guten Rufs der Stadt Straubing" wesentlich beigetragen habe. Von seinen Filmen haben sich leider nur wenige erhalten.

Dr. Dorit-Maria Krenn

Literaturhinweis:
Ulrich Lehner, Die "Bavaria-Film-Straubing". Eine der ersten Filmfabriken in Deutschland, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 1993 (95. Jg.), Straubing 1994, S. 435 - 474.

Bild: Ludwig Neumayer, um 1900 (aus: U. Lehner, Die "Bavaria-Film-Straubing" ..., S. 443)

Logo der "Bavaria-Film-Straubing" aus einem Briefkopf, 1910 (Stadtarchiv Straubing Rep. IV 5a Nr. 20)

Szene aus Agnes Bernauer

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